4 Tipps, um Eure Product Discovery zu optimieren
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4 Tipps, um Eure Product Discovery zu optimieren

24.05.2022 Posted 1 Monat ago Josua Waghubinger

“Product Delivery” ist für viele Produktteams kein Problem. Ein Feature wird nach dem nächsten entwickelt. Nach jedem Sprint gibt es etwas zu begutachten.

Kein Wunder, denn die Agilität breitet sich meist aus der IT in Unternehmen aus. Viele Teams haben schon einige Jahre Erfahrung in Scrum. Durch die iterative Arbeitsweise haben sie das “Shippen” perfektioniert.

Mit der “Product Discovery” hingegen zu starten oder sie richtig durchzuführen, fällt vielen Teams nicht ganz so einfach.

Oft haben sie unklare Ziele oder Metriken, die ihnen dabei helfen würden, sich in der Discovery zu orientieren. Durch die Interviews sammelst Du neue Erkenntnisse, Du weißt sie aber nicht im Großen und Ganzen einzuordnen. Wie weit hat dich dieses Interview dem Ziel der Discovery jetzt näher gebracht? Wie lange brauchst Du noch? Vielleicht hat das Team aber auch überhaupt keinen Zugriff auf die Kunden.

In jedem Fall will oder muss das Team etwas “Handfestes” bauen. Die Manager oder Kunden wollen schließlich etwas sehen für ihr Geld. Die meisten Stakeholder meinen zu wissen, was an die oberste Stelle des Backlogs gehört und tun das gerne kund.

Und um das Rad am laufen zu halten, werden wieder einmal Features entwickelt, deren Wert vorher nicht validiert wurde.

Kein Wunder also, dass so viele Teams das Bedürfnis haben, zu verstehen, wie sie ihre “Product Discovery”-Bemühungen bewerten und optimieren sollen.

Vorsicht ist besser als Nachsicht – mit “Leading Indicators” anstatt “Lagging Indicators”

Als Team das Mindset zu haben, konstant lernen zu wollen, ist großartig. Denn damit macht Ihr Fortschritte, egal ob Eure Ideen umgesetzt werden oder nicht.

Herauszufinden, was nicht entwickelt wird, ist mindestens genauso wichtig, wie herauszufinden, was entwickelt wird. Wer mit dem Opportunity Solution Tree von Teresa Torres arbeitet, entscheidet sich bspw. auf der ersten Ebene schnell für eine Top-Opportunity, die genauer untersucht wird. Um sich noch weiter zu fokussieren, hilft das Schneiden von Opportunities in kleinere Sub-Opportunities, um den Bereich des Lernens noch konkreter einzugrenzen. So werden die Interviews mit den Kund*innen nicht zu vage und breit, sondern granular und spezifisch.

Dennoch tun sich so viele Unternehmen schwer damit, Zeit und Geld in das Lernen zu investieren.

Es gibt zwei konkrete Maßstäbe um die positiven Auswirkungen von Product Discovery zu messen: Die Begeisterung der Benutzer und Daten, die uns signalisieren, dass unsere Produktentscheidungen auf unsere Unternehmensziele einzahlen.

Diese Kennzahlen sind jedoch verzögerte Indikatoren, sog. “Lagging Indicators” für den Produkterfolg – sie sagen nur aus, ob ein Produkt oder ein Feature, das bereits entwickelt wurde, gut angenommen wird. Sie liefern keinen Kontext, der Deinem Team helfen kann, beim nächsten Mal wieder die richtigen Lösungen zu finden. Klar, möglicherweise verbessert sich Eure Intuition, aber leider könnt Ihr nicht das gleiche Feature zweimal lösen.

Ihr bekommt also durch Lagging Indicators keine Hinweise, wie Ihr Euren Discovery-Prozess optimieren könnt.

Stattdessen solltet Ihr den Erfolg der Discovery anhand von “Leading Indicators” messen, d. h. anhand quantifizierbarer Kennzahlen, die in jedem Zyklus des Discovery-Prozesses gemessen werden können.

Wenn Ihr mit Discovery startet, ist es sehr schwierig, Leading Indicators zu definieren. Lasst uns also einen Blick auf 4 konkrete Indikatoren werfen, die Ihr bei Euch im Discovery-Team anwenden könnt.

Mit 4 Leading Indicators zu besserer Product Discovery

4 Tipps, um Eure Product Discovery zu optimieren

1. Verschafft Euch als Unternehmen Klarheit über Eure Ziele bei der Discovery

Bevor Ihr die Discovery in Angriff nehmt, solltet Ihr Euch darüber im Klaren sein, welche Entscheidungen Ihr als Unternehmen treffen müsst und welche Erkenntnisse Ihr für diese Entscheidungen benötigt.

Teresa Torres bezeichnet die übergreifenden Geschäftsziele als “Business Outcomes”. Darunter werden “Product Goals” definiert, die auf das “Business Outcome” einzahlen sollen. Product Goals bieten Eurem Team Leitplanken, in denen Ihr eigenständig lernen könnt.

Umso klarer und eigenständiger diese Ziele formuliert sind und umso bewusster diese im Unternehmen kommuniziert werden, desto mehr Klarheit hat das Discovery Team im identifizieren von Chancen und Lösungen, um diese Product Goals und schließlich das Business Goal zu erreichen.

Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass Discovery ein kontinuierlicher Prozess ist. Umso wichtiger also, dass Ihr nicht nur am Anfang die Ziele irgendwo aufschreibt, sondern dass sie immer und immer wieder hinterfragt werden.

Wenn Du Deine Teamkolleg*innen und Deine Stakeholder nach Eurem Business Goal und Euren aktuellen Product Goals fragen würdest, könnten sie sie dir nennen? Und würde jede*r das gleiche sagen?

2. Messt Eure Discovery-Geschwindigkeit

Bei erfolgreicher Discovery kommt es sowohl auf die Geschwindigkeit als auch auf die Umsetzung an. Je schneller Ihr lernt, desto schneller könnt Ihr großartige Produkte liefern.

Agile Teams sprechen von der sog. “Velocity” bei der Entwicklung. Warum dies nicht auch bei der Discovery anwenden – als “Learning Velocity” oder Lerngeschwindigkeit.

Versucht zu messen, wie oft Ihr die einzelnen Aktivitäten durchführt, die zur Validierung oder Falsifizierung Eurer Ideen führen. Zum Beispiel:

  • Wie viele Tage sind seit Ihrem letzten Kundeninterview vergangen?
  • Wann haben wir das letzte Mal einen Prototyp vorgestellt, bevor er fertig war?

 

Kurze Zeitspannen bedeuten, dass es nicht so schlimm ist, wenn Ihr mal aus einem Interview nicht so viele Erkenntnisse ziehen könnt. Das nächste steht ja direkt vor der Tür. Außerdem habt Ihr den entscheidenden Vorteil, dass Ihr Fragen, die sich auftun, schnell beantworten könnt. Jedes neue Interview kann Euch weitere Daten liefern, die Euch wiederum mehr Sicherheit bieten können.

Messe die Anzahl der Tage, die zwischen Euren Discovery Aktivitäten liegen und arbeite daran, diese Zykluszeit zu reduzieren.

Ein leistungsstarkes Discovery Team sollte seine Ergebnisse schneller erreichen als ein schwaches Discovery Team. Diese Rate sollte im Laufe der Zeit steigen, wenn sich die Discovery Tätigkeiten verbessern.
– Teresa Torres

Schnelles Lernen führt zu schnellerer Entscheidungsfindung. Je schneller Ihr Entscheidungen treffen könnt, desto schneller erhöht Ihr die Chance, Euren Kunden einen Mehrwert zu bieten – und desto besser geht es Euch als Unternehmen.

Eine weitere gute Messgröße ist, wie lange es her ist, dass Ihr das letzte Mal eine Idee verworfen haben. Am Ende einer jeden Discovery Phase habt Ihr drei Möglichkeiten: Entweder Ihr entwickelt Eure Lösung, verwerft Eure Idee oder Ihr lernt weiter. Wenn Ihr messt, wie viele Ideen durch die Discovery verworfen werden, erhaltet Ihr einen Anhaltspunkt dafür, wie gut der Prozess funktioniert.

3. Stelle sicher, dass die einzelnen Discovery Aktivitäten zeitlich begrenzt sind

Die Ungewissheit, die Discovery mit sich bringt, macht es schwierig, diesen Prozess zu planen oder vorherzusagen. Viele Teams wünschen sich einen “Blueprint” – aber den gibt es nicht.

Dennoch gibt es eine einfache Lösung, die Produktteams bereits tagtäglich anwenden: Timeboxing. Legt für einzelne Discovery Aktivitäten (nicht den gesamten Discovery Prozess!) in einen Zeitrahmen fest.
Dies hilft Euch als Team, zu evaluieren, wie viele Aktivitäten Ihr in einer bestimmten Zeitspanne erledigen könnt. Zudem schützt es Euch davor, Perfektion zu üben – in einer Phase, in der theoretisch jedes Ergebnis verworfen werden kann.

Außerdem hilft Timeboxing, Vertrauen und Glaubwürdigkeit bei den Stakeholdern aufzubauen. Durch eine klare Ansage, wie viel Zeit Ihr Euch für welche Aktivitäten nehmt, verringert Ihr die Sorgen bzgl. des Investments für Discovery.

4. Nutzt Retrospektiven zur Optimierung Eurer Discovery

Retrospektiven sind nicht nur für die Delivery gedacht – sie sind auch eine großartige Chance, Fallstricke in Eurem Discovery-Prozess aufzudecken und konstant Optimierungen voranzutreiben.

Die folgenden Fragen können Euch bei Eurer nächsten Team-Retrospektive helfen:

  • Sind wir auf etwas gestoßen, das wir nicht erwartet haben?
  • Was ab unseren Hypothesen war falsch – und was war richtig?
  • Wurden vorgeschlagene Lösungen von unseren Stakeholdern oder Kunden schlecht aufgenommen?
  • Wenn Ihr mit einem Opportunity Solution Tree arbeitet: Haben wir die “Opportunities” falsch eingeschätzt? Was müssen wir im Tree überarbeiten?
  • Wie hätten wir unerwartete Learnings früher aufdecken können? Gibt es eine kleinere Version unserer Lösung, die wir früher hätten liefern können?
  • Welche konkreten Änderungen können wir an unserem Discovery Prozess vornehmen, um zu vermeiden, dass wir erneut auf dieselben Probleme stoßen?

 

Wenn Ihr Euch diese Fragen stellt, verlagert sich ein Großteil des Risikos von der Delivery in die Discovery, wodurch potenzielle Risiken früher aufgedeckt werden und Ihr im Laufe der Zeit eine höhere Lernrate erzielen könnt.

Wrap up: Den Prozess bewerten und nicht nur die Ergebnisse

Lass uns noch mal zusammenfassen, was wir bis hier gelernt haben.
Discovery ist eine Methode, um kontinuierlich sicherzustellen, dass wir die Dinge entwickeln, die unseren Kunden einen maximalen Wert liefern und die auf unsere Unternehmensziele einzahlen.

Wenn wir Discovery richtig machen, sollten wir nach und nach merken, dass wir die richtigen Maßnahmen priorisieren und umsetzen. Dies wird uns aber nicht immer gelingen – und doch ist es wichtig, Discovery kontinuierlich durchzuführen.

Um unseren Discovery Prozess zu optimieren, sollten wir also nicht ausschließlich auf das Ergebnis der entwickelten Software schauen, sondern vorausschauend den Prozess beobachten und anpassen.

Das können wir tun, indem wir messen,

  • ob alle Beteiligten die aktuell gesetzten Ziele kennen,
  • wie viel Zeit zwischen unseren Discovery-Aktivitäten vergeht,
  • wie viel Zeit wir uns für die Discovery-Aktivitäten nehmen,
  • welche Optimierungen wir in unseren Discovery-Retros aufdecken.

Wie optimiert Ihr Eure Discovery bisher?

Wo steht Ihr? – Welche der obigen Indikatoren beobachtet Ihr bereits? Führt Ihr Retros durch, in denen Ihr Verbesserungen für Euren Discovery-Prozess identifiziert?

Möglicherweise habt Ihr weitere Methoden für Euch entdeckt, um Euren Prozess mit der Product Discovery zu optimieren?

Mich interessieren Eure Erfahrungen: Schreibt mir gerne eine Nachricht mit Euren Gedanken dazu! Ich freue mich, von Euch zu hören!

Josua Waghubinger

Josua Waghubinger ist Senior Innovation Consultant bei tarent und weiß: unsere Welt ist komplex genug. Die richtige Methode und Kommunikation zu kennen hilft, Ordnung zu schaffen – vor allem bei Innovation.

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