»Et kütt wie et kütt« – Ablauf der Retrospektive
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»Et bliev nix wie et wor« – Ein Retrospektivenformat zu Karneval

10.02.2020 Posted 6 months ago Adrian Salamon

Spaß bei der Arbeit ist mir wichtig. Das ist auch ein Grund, warum ich gerne neue und kreative Formate ausprobiere. Meinen Kolleg*innen ist Spaß auch wichtig, vor allem als Rheinländer zur Karnevalszeit. Ich selbst konnte damit noch nie viel anfangen, aber ich wollte den karnevalistischen Frohsinn einfangen und in ein Teammeeting integrieren. Dafür eignet sich natürlich hervorragend die Sprintretrospektive!

Das Gelingen einer solchen Retrospektive ist natürlich sehr abhängig vom Kreis der Teilnehmenden. Bei uns in Bonn und Köln ist die Chance sehr groß, dass ein X-beliebiges unserer Teams mit Inbrunst bei der Sache wäre. In anderen Regionen (oder Subkulturen) ist die Affinität zu Karneval wahrscheinlich weniger gegeben. Da auch ich diese Affinität nicht habe, meinem Team jedoch eine Freude bereiten wollte habe ich für die Retrospektive recherchiert und habe drei Kernelemente von Karneval gefunden, mit denen ich gut arbeiten konnte: Verkleidung, das Rheinische Grundgesetz und die Nubbelverbrennung. Die folgenden 3 Schritte eignen sich gut für eine übliche 90-minütige Retrospektive in einem zweiwöchigen Sprint.

»Et kütt wie et kütt« – Ablauf der Retrospektive

Setting the Stage – Karnevalskostüm

Es ist wichtig den Ton der Retro zu setzen, und alle Teilnehmenden zu aktivieren. Ich mache das gerne mit einer kreativen Aufgabe: “Wenn du dir unsere Produktentwicklungen der letzten Wochen anschaust, welches Kostüm würde jetzt am besten zu dir passen? Fertige eine Skizze an. Deine Kolleg*innen werden sie danach für dich interpretieren.”

Gathering Data / Generating Insights – Das Rheinische Grundgesetz

Im Hauptteil der Retro wird vom Büttenredner (aka Scrum Master) Artikel für Artikel das Rheinische Grundgesetz vorgetragen. Das Team hat dann die Aufgabe, den jeweiligen Artikel auf den letzten Sprint zu beziehen. Daraus können sich durchaus interessante Betrachtungsweisen ergeben, denen manchmal jedoch mit spitzfindigen Nachfragen und Gegenpositionen seitens des Scrum Masters nachgeholfen werden muss. Sich daraus ergebende Actionitems sollten natürlich notiert und anschließend verfolgt werden.

Closing – Die Nubbelverbrennung

Zum Abschluss soll es darum gehen, seine eigenen Verfehlungen und “Sünden” zu reflektieren. “Welche schlechte (Team-) Entscheidung der letzten Saison würdest du gerne mit dem [Nubbel] verbrennen? Schreibe sie auf einen Zettel und stelle sie kurz der Runde vor.” Alle Zettel werden schließlich eingesammelt und in eine Puppe gesteckt. Zur Not reicht auch ein anderes Behältnis, wie ein Briefumschlag. Feierlich werden die gesammelten “Sünden” gemeinschaftlich zerstört, verbrannt oder nur entsorgt.

»Wat soll dä Kwatsch?.« – Meine Eindrücke dieses Formates

Ich finde die Weisheiten des Rheinischen Grundgesetzes immer wieder inspirierend. Sie helfen, ambivalente Perspektiven einzunehmen und damit sich selbst und das Team zu reflektieren. Außerdem macht es auch Nichtkarnevalisten wie mir richtig Spaß, sich ein Kostüm auszudenken, die verschiedenen Artikel des Rheinischen Grundgesetzes auf die Teamarbeit zu projizieren und sich von seinen Fehlern frei zu machen.