Jobwechsel während einer Pandemie – ein bisschen wie ein erstes Date!
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Jobwechsel während einer Pandemie - ein bisschen wie ein erstes Date!

10.02.2021 Posted 8 Monaten ago Severin Kehding

Gute Nachrichten! Du hast es geschafft, einen Job zu finden, während eine Pandemie Millionen von Menschen arbeitslos machte.

Schlechte Nachrichten! Du hast es geschafft, einen Job zu finden, während einer Pandemie, die Millionen von Menschen zur Remote-Arbeit zwingt. Du wirst deine Kolleg*innen nicht sehen… eine ganze Weile lang – gewöhne dich daran!

Der Build Up

Juni 2020 – die ersten drei Monate in der COVID-19-Pandemie. Meine Vorsätze, den Arbeitgeber zu wechseln, sind schon seit Monaten im Gange und meine Suche nach einem neuen – tollen – Arbeitgeber nimmt langsam Formen an.
Die tarent ist als potenzieller Kandidat auf meinem Radar gelandet, ebenso bin ich auf dem Radar der tarent gelandet. Gesagt, getan. Nach meiner Bewerbung sind rund 3 Tage ins Land gegangen und ich hatte meine erste Einladung zu einem Remote-Kennenlernen.

Das Remote Interview

  • Die Zeit läuft! Ich hatte gute 4 Tage Zeit, mir über die wirklich wichtigen Themen Gedanken zu machen. Wie man es vor so einem echten Blind Daten auch tut.
  • Fällt es auf, wenn ich das Gespräch in Jogginghose führe?
  • Muss ich ein Hemd anziehen oder reicht mein normales Schlabber-Shirt aus?
  • Wer räumt mein Wohnzimmer auf, damit es bei der Übertragung via Webcam nicht so aussieht, als würde man einen Obdachlosen interviewen?
  • und und und

 

Ihr seht schon: eine echte Misere, in der ich dort steckte! In meiner Einladung wurde ich nett auf die wirklich tolle tarentiquette (tarent Etiquette) hingewiesen.

  • Kamera an
  • Gute Tonqualität
  • Stabiles Internet

 

Kein Wort von einem Dresscode, optimale Voraussetzungen für das Interview.

Das Interview

Am Tag des Interviews war ich sichtlich nervös, aber die Division Manager (Abteilungsleiter, wenn man so will) Moritz und Martin haben mir sofort ein heimisches Gefühl gegeben. Bei Martin tauchte nach 5 Minuten sein Hund Ghandali im Bild auf und wir hatten direkt ein Thema gefunden, welches die Stimmung lockerte. Das Interview als solches war, wie es ein normales Gespräch auch ist, zielführend und ohne weitere nennenswerte Ereignisse.
Nach diesem Gespräch folgten noch zwei weitere Gespräche. Zunächst ein weiteres Interview mit Kolleg*innen, die bei tarent in einer ähnlichen Rolle tätig sind. Abschließend dann ein Gespräch, in dem mir die Eigenheiten der tarent gezeigt wurden. Was sind Fokusgruppen? Wie ist unsere Kultur? Ich bekam Raum für all meine Fragen, die ich so hatte und zu guter Letzt folgten natürlich die Details des Angebots, welches die tarent mir machte. Schlussendlich fanden wir uns gegenseitig super und ich hatte ein neues Zuhause gefunden!

Die Woche vor dem ersten Arbeitstag

In der Woche vor dem ersten Tag habe ich viele Infos erhalten und bin auch stetig im Loop gewesen. Mir wurde mein Buddy (eine Person, die mich in den ersten Tagen und Wochen in der tarent begleitet) vorgestellt und dessen Rolle erklärt. Ich habe sofort das Gefühl bekommen, dass der Buddy eine Anlaufstelle ist, bei der ich mich mit all meinen Sorgen und Nöten melden kann. Hape – wie er liebevoll genannt wird – konnte mir bei meiner Zeiterfassung helfen, hat mich in mein erstes Projekt aufgenommen und mir dabei geholfen, mich in der tarent zurecht zu finden. Meinen Laptop konnte ich mir in der Firma unter Einhaltung der Corona-Schutzauflagen abholen (auf eigenen Wunsch), aber ich hätte dieses auch zugesandt bekommen, wenn ich das gewollt hätte.

Virtuelles Onboarding

3. August, Sommer, 30 Grad und ganz nebenher mein erster Arbeitstag in der tarent. Virtuelles Onboarding stand auf meiner Tagesordnung. Mir wurde vorab ein Foliensatz mit Informationen zugesendet und ich habe meine ersten drei Tage voll durchgeplant bekommen. Sprich, mein Kalender war picke packe voll mit Terminen, die Teil des Onboardings gewesen sind – angefangen beim Arbeitsschutz bis hin zu meinem Projekteinsatz ist alles dabei gewesen.

Mein erstes Blind Date startete – für mich “tief in der Nacht” – um neun Uhr morgens. Mit mir wurde gemeinsam meine Hardware eingerichtet. Oliver, einer der Admins, hat mir beim Aufsetzen und Einrichten meines Mail-Clients inklusive Verschlüsselung geholfen und mir die ersten Einblicke in die Software gegeben, die bei uns verwendet wird. Wir setzen bei der tarent auf Cloud-Produkte und verwenden die Google Suite im vollen Umfang. Das ist für mich ein klarer Pluspunkt, da ich die Produkte von Google in der Vergangenheit sehr zu schätzen gelernt habe. Ich hatte in den ersten Minuten ein mulmiges Gefühl, da mir doch etwas die Nähe zu den Mitarbeiter*innen fehlte und die Tatsache, dass man nicht eben mal die Tastatur weiter geben kann. Aber dieses mulmige Gefühl wurde durch ein gut geplantes Screensharing Konzept schnell aus dem Weg geräumt.

Nach Tag drei wusste ich:

  • Wer mein Buddy ist
  • Welche Produkte und Tools wir und für welchen Einsatzzweck verwenden
  • Wie ich mich in der Tool-Welt der tarent zurechtfinden kann
  • Wen ich ansprechen kann, wenn ich Hilfe brauche

 

Ich war nach diesen Terminen also bestens auf meinen Arbeitsalltag vorbereitet!

Jobwechsel während einer Pandemie - ein bisschen wie ein erstes Date!

“Ob bewusst oder unbewusst:  Die Hauptsorge eines Menschen, der neu in eine Gruppe eintritt, ist: werden sie mich akzeptieren?”

Mit wem muss ich sprechen außer meinem direkten Kolleg*innenkreis?

Ein wichtiger Punkt, den ich beim Onboarding nicht so recht mitbekommen habe, war die Arbeit mit Menschen außerhalb meines direkten Kolleg*innenkreises. Mir stellten sich einige Fragen:

  • Wie stelle ich Kontakt her?
  • Kann ich einfach Kolleg*innen zu Terminen einladen?
  • Gibt es „ungeschriebene Regeln“, die man besser nicht bricht?
  • Wie lerne ich die Kolleg*innen kennen, die normalerweise mit mir in einem Büro oder Flur sitzen, aber nicht in meinem Projekt sind?

 

Diese Themenkomplexe musste ich mir anders als üblich – Kaffeemaschine und essen gehen – erarbeiten. Doch wie macht man das in einer Remote-Situation?

Ich habe mich also auf die Suche nach Methoden gemacht, wie ich am besten den Kontakt herstellen könnte. Dabei hat mir die offene und transparente Struktur der tarent sehr geholfen! Im Großen und Ganzen musste man nicht sehr viel dafür tun, um mit Kolleg*innen in Kontakt zu kommen. Es gibt diverse Plattformen, über die man sich austauschen kann. Dazu später mehr. Aber auch einfach einen Termin einstellen, Kollegen kennenlernen und ein nettes Gespräch haben ist kein Thema, im Gegenteil: Das ist auf der Tagesordnung gewesen. In Teilen sind Kolleg*innen auf mich zugekommen und man merkte sofort, dass es Interesse daran gab, mich kennenzulernen.
Direkt in der ersten Woche habe ich eine Einladung von Stefan, einem der vier Geschäftsführer, erhalten. Wir hatten die Möglichkeit, in den Austausch zu gehen und uns gegenseitig etwas zu „beschnuppern“. Stefan hat dieses Gespräch in den ersten Minuten sehr gut auflockern können und wir haben sofort Anknüpfungspunkte gefunden, um sowohl on-the-job als auch off-the-job in den Austausch zu kommen. Im Rheinland sind das natürlich Themen wie der Karneval 🙂

Darüber hinaus ist die Meetingkultur in der tarent sehr offen – so offen wie ich sie bisher noch nirgendwo anders erlebt habe. Wir haben feste Austauschformate, in die jede und jeder eintreten darf. In solchen Terminen z. B. haben wir – ProjOs (Projektorganisierende) aka Scrum Master, Product Owner und Co. – eine Möglichkeit, uns über unseren Methodenkasten auszutauschen. Das sind Termine, die wir als Kolleg*innen untereinander ins Leben gerufen haben, um genau diesen Austausch zu fördern und fordern.
Ich konnte ab Tag eins in alle möglichen Chat-Räume eintreten, sofern ich wollte, die verschiedene Themen behandeln. Da ich meinen Background in der Softwareentwicklung habe, war es für mich vollkommen klar, dass ich in den #developer Channel eintrete! Auch eine “remote-townhall” ist ein super Medium, um den Anschluss an Kolleg*innen zu finden. Dieses Meeting läuft gänzlich anders ab als ich es bisher erlebt habe. Oftmals sind solche Townhalls quartärlich ein Medium, in dem die Geschäftsführer „sich präsentieren“. Nicht so bei der tarent, hier tritt eine Vielzahl von Kolleg*innen virtuell auf und erzählt über interessante Themen, die innerhalb des Unternehmens gerade passieren. Das beginnt bei einem Finanzblatt, wie es der tarent geht,und geht weiter über Spendenaktionen und Aufrufe, welche die Mitarbeiter*innen z. B. für das Flüchtlingslager in Moria organisiert haben. Wichtiges Medium dabei ist neben der Kamera natürlich der Chat, Gott war ich entspannt nach der ersten Townhall, als ich mich in dem wirklich amüsanten Chat mit Kolleg*innen austauschen konnte. Dort wurde mal ein Witz gerissen, man hat Insights erhalten und neue Gesichter gesehen.

Netzwerk aufbauen

Neben dem Punkt “wie lerne ich meine Kolleg*innen kennen?” ist auch der Punkt “Netzwerk aufbauen” wichtig. Die im vorangehenden Absatz erwähnten Punkte mit den Austauschformaten haben immens dabei geholfen, die Brücke zu bauen, um neue Kolleg*innen ansprechen zu können. Danach konnte das Networking beginnen und auch hier bin ich auf eine sehr offene und transparente Kultur gestoßen. Ich wurde sofort mit warmen Worten und offenen Armen empfangen und habe die Möglichkeit bekommen, mir meinen Weg durch die tarent zu bahnen. An jeder Stelle wurde mir sofort geholfen, mein Netzwerk weiter aufzubauen. Dabei haben mir sehr individuelle Gespräche geholfen, liebevoll 1:1 (“one on one” oder “eins zu eins”) genannt. Wenn ich das Bedürfnis hatte, mit dem Vertrieb zu sprechen, konnte ich einfach die Kollegen einladen und es wurde sich Zeit für mich genommen. Wenn mein Interesse in Richtung Vertrieb aber eher genereller Natur war, konnte ich auch einfach am Termin “Daily Dealz” teilnehmen. Durch die offene Meetingkultur konnte ich im Veranstaltungskalender der tarent sehen, welche Ereignisse anstehen und diesen einfach beitreten. Es wurde nie erwartet, dass ich etwas dazu beitragen muss, wenn ich das nicht konnte, aber ich hatte so die Möglichkeit, in den Austausch zu treten und zu erfahren, was die tarent gerade so umtreibt.

Lernen der Kultur

Die Kultur ist etwas, was sehr schwierig zu fassen ist, insbesondere in solchen Zeiten der Remote-Arbeit. Welche ungeschriebenen Gesetze breche ich z. B. mit meiner forschen Herangehensweise? Trete ich jemandem auf die Füße, wenn ich meine Meinung sage? Wie kann ich verhindern, als Unruhestifter wahrgenommen zu werden? Zugegebenermaßen liegt es in meiner Natur, ein ‘professioneller Störenfried’ zu sein. Sehe ich einen Prozess, der mir nicht einleuchtet oder mir gar klobig erscheint für das Ziel, welches erreicht werden soll, bin ich mir nicht zu schade, dies auch anzusprechen. Explosionsgefahr! In der tarent wurde dies aber als Stärke erkannt und hat sich durch die Kultur dort schnell herumgesprochen, sodass plötzlich meine Meinung „etwas wert“ war und ich von alleine angesprochen wurde, um meine Meinung einzubringen. Es wurde also sehr darauf geachtet, dass ich in der Lage bin mich einzubringen, wenn ich das denn wollte und konnte. Erstaunlicherweise herrscht in der tarent wenig egoistisches Verhalten. Wer hier klassisches Machtgehabe sucht, befindet sich in einer großen Dürrephase. Ob es nun die Meinung eines Geschäftsführers ist oder die eines Entwicklers bzw. einer Entwicklerin, der Wert ist der gleiche und man darf und soll diese auch challengen! Ein Utopia für meiner einen 🙂

Neben den sehr Job bezogenen Terminen kümmert sich die tarent, bzw. die Mitarbeiter*innen selbst, auch durch sogenannte Fokusgruppen darum, Prozesse anzupassen. Dabei ist eine Fokusgruppe ein freiwilliger Zusammenschluss von tarentler*innen, die etwas in der Organisation ändern wollen. Stört dich etwas in der tarent, so hast du eine Plattform, mit der du genau dieses Thema ändern kannst. In der Coronazeit ist dies sehr wichtig gewesen. Es hat sich eine Gruppe gebildet, welche die tLE ins Leben gerufen hat, die tarent Lockdown Events. Dort werden afterwork Events geplant und angeboten, welche den Zweck erfüllen, die soziale Distanz zu überbrücken. Ich konnte mit meinen Kolleg*innen Yoga machen, meinen Winterspeck loswerden mit Powerworkouts oder einen Verräter im Spiel “Among Us” suchen. Diese Events haben mir dabei geholfen, nicht nur den Anschluss an die Kultur und die Kolleg*innen zu finden, sondern zugleich auch auf privatem Wege – wenn es dann irgendwann wieder möglich ist – miteinander ein Bier trinken zu können.

Die Takeaways

Meine Learnings vom Remote Onboarding:

  • Blind Dates sind was Tolles! 🙂
  • Mit der richtigen Struktur ist ein Remote Onboarding nichts Besorgniserregendes
  • Die Kultur kann man gut erfassen, wenn die Plattform vorhanden ist und man sich selber einbringen möchte
  • Gehe aus deiner Komfortzone raus
  • Suche Kolleg*innen für 1:1’s
  • Frage nach mehr als Feedback als es normalerweise der Fall ist
  • Screensharing ist Hands-Down das Beste!

 

Sollte dein Interesse geweckt sein und du möchtest gerne mehr erfahren, tritt doch gerne mit mir in den Kontakt. Denkst du, ihr könntet bei euch in der Firma noch nachbessern und euch fehlt der Anhaltspunkt, wo ihr beginnen könnt? Auch hier steht meine Türe offen, ich freue mich auf euch!

Bis dahin bleibt gesund und auf ein baldiges Ende der Pandemie!

Severin Kehding

Über den Autor

Severin Kehding, Scrum Master, Agile Coach und Experte für Agile Methoden und Changeprozesse in Unternehmen

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