Herausforderung Arbeitsmarkt Softwareentwicklung: So findet die tarent gute Mitarbeiter
Recruiting

Herausforderung Arbeitsmarkt Softwareentwicklung: So findet die tarent gute Mitarbeiter

16.01.2018 Posted 1 year ago

Ein Interview mit Martin Buhren, Head of People Development

Der Markt an Softwareentwicklern ist quasi leergefegt. Wie geht Ihr damit um?

Ein wichtiger Bestandteil unserer Strategie ist der Aufbau junger Mitarbeiter. Dafür engagieren wir uns stark in der eigenen betrieblichen Ausbildung, in Kooperationen mit Universitäten für duale Studiengänge und in der frühzeitigen Einbindung von Studienabsolventen durch Praktika oder die Tätigkeit als Werkstudenten.

Für die direkte Mitarbeitergewinnung setzen wir auf einen Mix aus traditionellen Stellenausschreibungen in unterschiedlichen Online-Portalen, direkter Ansprache an die Kandidaten auf regionalen Veranstaltungen wie der FrOSCon in der Nähe von Bonn oder der BED-Con in Berlin und nicht zuletzt auf Dienstleistungen von Personalvermittlern. Ein sehr wichtiger Kanal sind daneben direkte Mitarbeiterempfehlungen.

Authentischer kann unser Leitbild eines positiven Arbeitsraums, in dem der Mitarbeiter als Mensch mit seinen persönlichen Fähigkeiten, Entwicklungsmöglichkeiten und Bedürfnissen im Mittelpunkt steht, nicht an potenzielle Kandidaten transportiert werden. Insgesamt können wir aber bestätigen, dass es in den letzten Jahren deutlich schwieriger geworden ist, qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen – insbesondere erfahrene Softwareentwickler. Für kurzfristige Bedarfe oder in Projekten benötigte spezielle Fertigkeiten, die nicht in unserer Kernkompetenz liegen, greifen wir daher auch auf Freiberufler zurück.

Mitarbeiter motivieren und lange halten – das wollen alle Unternehmen. Wie macht Ihr das?

Unsere Mitarbeiter fühlen sich vor allem motiviert durch das interessante und abwechslungsreiche Aufgabenfeld, das wir aufgrund unserer Ausrichtung als Technologieagentur bieten können. Durch die Vielzahl unterschiedlicher Projekte mit eigenständigen fachlichen und technischen Herausforderungen ergeben sich für den Mitarbeiter immer wieder neue Entwicklungsmöglichkeiten durch den Einsatz moderner Technologien und agiler Vorgehensweisen wie Scrum. Die Einführung der agilen Vorgehensweise im Kontext der Softwareentwicklungsprojekte übt Strahlkraft auf die gesamte Organisation aus: der informierte Mitarbeiter, der gestaltend und eigenverantwortlich agiert, steht auch in den anderen Arbeitsbereichen der tarent im Mittelpunkt. Um diese Entwicklung zu fördern haben wir diverse Maßnahmen ergriffen:

  • Transparente Unternehmenskommunikation. Allen Mitarbeitern stehen alle Informationen und Unternehmensdaten jederzeit zur Verfügung – von den Protokollen der Geschäftsführungssitzungen über vertriebliche Chancen bis hin zu der Liquiditätsplanung. Grundsätzlich sind alle Informationen frei, Ausnahmen gibt es nur im Rahmen rechtlicher Anforderungen oder z. B. spezieller Geheimhaltungsvereinbarungen mit Kunden.
  • Mitarbeiterpartizipation (MAP). Unser von den Mitarbeitern gewählter MAP-Rat greift Vorschläge und Initiativen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen auf und entwickelt diese bis zur Reife. So wurden zum Beispiel ein wöchentliches Massageangebot, höhenverstellbare Tische und ein breites Getränkeangebot implementiert. Darüber hinaus experimentieren wir seit letztem Jahr mit einem “Fokusgruppenmodell”, in dem sich die Mitarbeiter themenbezogen zusammenfinden, direkt Vorschläge ausarbeiten und diese nach einer Verteidigung vor dem Kollegium zur Entscheidung bringen. In diesem Jahr wurde durch eine Fokusgruppe beispielsweise unser “t-space-Modell” entwickelt und nach einer erfolgreichen Pilotphase im gesamten Unternehmen eingeführt. Seitdem kann jeder Mitarbeiter nach Rücksprache mit seinem Team von unterwegs oder zu Hause aus arbeiten.
  • Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben. Neben dem gerade beschriebenen “t-space-Modell”, mit dem das Remote Arbeiten jederzeit möglich ist, gilt in der tarent ein flexibles Vertrauensarbeitszeitmodell, das wir “t-time” nennen. Damit setzen wir auf die eigenverantwortliche Organisation und Abstimmung auf Mitarbeiter- und Teamebene. Schließlich ist Familienfreundlichkeit durch die eingeübte Nutzung von Elternzeiten, die flexible Nutzung von Teil- und Vollzeitarbeit auch in Pflegesituationen gelebter Alltag.

Trotzdem bleibt die Schwierigkeit, immer neue Mitarbeiter zu finden. Wie läuft Euer Recruitingprozess ab? Gibt es für Interessierte bestimmte Regeln zu beachten?

Die Regel lautet “Melde Dich bei uns!”. Interessierte sollen nicht durch formale Hürden in ihrer Motivation aufgehalten werden, sich bei uns zu bewerben. Das ist uns wichtig. Daher ist unser Recruitingprozess auch schlank, transparent und persönlich. Wenn wir nicht ohnehin bereits im Gespräch mit dem Kandidaten durch eine direkte Recruitingmaßnahme sind, kann der Kandidat sich direkt über die Webseite oder via E-Mail bei uns melden, ohne dass umfangreiche Bewerbungsunterlagen eingereicht werden müssen. Im nächsten Jahr implementieren wir mit unserem Recruitingteam noch eine direkte Chat-Option auf der Webseite. Nach der initialen Kontaktaufnahme melden wir uns dann mit einem ersten kurzen Telefonat und entscheiden, ob wir den Bewerber zum Gespräch einladen. Zur Vorbereitung dafür reicht uns sein Lebenslauf. Wir führen in der Regel zwei Gespräche zum gegenseitigen Kennenlernen und kommen dann rasch zu einer Entscheidung. Für die eigene Entscheidungsfindung hat zudem jeder Kandidat die Option auf einen Probearbeitstag. Die Kandidaten für die Ausbildung laden wir gemeinsam zu einem Workshoptag ein.

Apropos Ausbildung: Welche Ausbildungsberufe deckt Ihr ab und wie läuft Euer Ausbildungsprogramm?

Schwerpunktmäßig bilden wir Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung und Systemintegration aus. Seit zwei Jahren bieten wir auch die MATSE-Ausbildung im Rahmen eines dualen Studiums in Kooperation mit der FH Aachen an. MATSE steht für Duales Studium – Scientific Programming / Mathematisch-technische(r) Softwareentwickler(in). Neben der Vermittlung der formalen Ausbildungsinhalte der IHK, die in ihrer Anlage als kaufmännischer Beruf nicht ganz zeitgemäß sind, legen wir den Fokus auf eine frühzeitige Integration in die Softwareentwicklungsprojekte. Wir möchten ja, dass unsere Azubis möglichst früh den Berufsalltag in der Praxis kennenlernen. Daher bieten wir ihnen ein Lernumfeld mit den erfahrenen Softwareentwicklern, von dem sie maximal profitieren. Um das zu ermöglichen, werden den Azubis im ersten halben Jahr intensiv in Kursen mit unseren Entwicklern die Grundlagen der Softwareentwicklung vermittelt. Insgesamt stecken wir viel Energie in unser Ausbildungsprogramm und stellen pro Jahr mindestens vier Auszubildende ein – mit dem klaren Ziel, sie nach Abschluss der Ausbildung in die tarent zu übernehmen.