Die historischen Anfänge der Robotik und Künstlichen Intelligenz
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Die historischen Anfänge der Robotik und Künstlichen Intelligenz

31.05.2019 Posted 2 Monaten ago Dietrich Wettschereck

Das Thema Künstliche Intelligenz (KI) und damit auch die Robotik ist aktuell eines der Trendthemen in Politik und Gesellschaft. Die Begriffe „Künstliche Intelligenz“ bzw „Artificial Intelligence“ sind zwar erst seit Mitte der 1950er Jahre in Gebrauch (Als Geburtsstunde der Begriffe gilt gemeinhin die Dartmouth Conference, die 1956 von John McCarthy, Marvin Minsky, Nathaniel Rochester, und Claude Shannon organisiert wurde). Künstlich geschaffene Gehilfen sind jedoch ein sehr alter Traum der Menschheit und schon seit Jahrtausenden Thema der Literatur.  In diesem Blogbeitrag greife ich vier besonders relevante Beispiele auf: Die künstlichen Gehilfinnen des Hephaistos, den Golem aus der jüdischen Mystik, den Schachtürken und den Maschinen-Menschen aus dem Film Metropolis.

Interessant ist hierbei bereits, dass die beiden männlichen „Wesen“, der Golem und der Schachtürke, eher als Arbeiter dienen, die bestimmte Aufgaben erledigen, während die wirklich autonomen Wesen weiblich sind.

Beginnen wir mit Homer, der in der Ilias im 18. Gesang schreibt, dass bereits der griechische Gott des Feuers Hephaistos sich künstliche Gehilfinnen geschaffen haben soll:

„… Hinkte sodann aus der Tür‘; und Jungfraun stützten den Herrscher,
Goldene, Lebenden gleich, mit jugendlich reizender Bildung:
Diese haben Verstand in der Brust, und redende Stimme,
Haben Kraft, und lernten auch Kunstarbeit von den Göttern….“

Dieses Thema des einsamen Wissenschaftlers / Künstlers, der (und es sind bisher immer Männer) sich künstliche Gesellschaft schafft, wird auch in der späteren Literatur oft wieder aufgegriffen. Die Sage des Golem (einer menschenähnlichen Gestalt) ist eine weitere frühe Referenz auf von Menschen geschaffene „Hilfskräfte“, Zitat Wikipedia: „Der Golem ist ab dem frühen Mittelalter in Mitteleuropa die Bezeichnung für eine Figur der jüdischen Literatur und Mystik. Dabei handelt es sich um ein von Weisen mittels Buchstabenmystik aus Lehm gebildetes, stummes, menschenähnliches Wesen, das oft gewaltige Größe und Kraft besitzt und Aufträge ausführen kann. “ Beim Golem steht allerdings klar die Dienstbarkeit bei Aufgaben, die man entweder nicht übernehmen darf oder kann im Vordergrund. Spannend ist, dass man zur Aktivierung des Golems, diesem einen Zettel in den Mund legen musste. Eine gewisse Ähnlichkeit mit den frühen Lochkarten kommt mir da direkt in den Sinn.

Rabbi Löw und der Golem (Zeichnung von Mikoláš Aleš, 1899)

Eine weitere interessante Figur ist der „Schachtürke“ – eine Sensation des 18. Jahrhunderts. Angeblich handelte es sich um eine Schachspielende Maschine, die viele damalige auch erstklassige Schachspieler besiegte. Erst später fand man heraus, dass ein Mensch in der Konstruktion versteckt war, der die Figur steuerte. Daher stammt auch eine mögliche Deutung der Abstammung des deutsche Begriffs etwas zu „türken“ und auch die Bezeichnung des „mechanical Turk“ von Amazon beruht vermutlich darauf.

Der Schachtürke

Das vierte Beispiel ist der (eindeutig weibliche) Maschinen-Mensch aus dem Filmklassiker Metropolis von 1925/26. Der Erfinder Rotwang opfert seine rechte Hand, um einen Maschinenmenschen zu schaffen, den er auch erfolgreich vorführt. Der Maschinen-Maria gelingt es, die Bewohner von Metropolis in ihren Bann zu ziehen und u.a. eine Revolte der ausgebeuteten Arbeiter anzuzetteln. Sie endet allerdings sehr unrühmlich auf dem Scheiterhaufen und die Untat von Rotwang wird ersichtlich als ihr metallischer Kern zum Vorschein kommt.

Metropolis

Dietrich Wettschereck, Head of AI